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Stuttgarter Jussow-Violin-Klavier-Duo begeisterte

(bro) (khm)Grillparzer soll über Musikbesprechungen gesagt haben: "Beschriebene Musik ist halt wie ein erzähltes Mittagessen." Man kann das auch zum letzten Kunstfreundekonzert der Reihe 2009/10 am Freitag, 30. April, mit dem Stuttgarter "Violin-Klavier-Duo Alex und Andrej Jussow" sagen, da eine Besprechung nur schwach wiedergibt, was die Besucher an musikalischem Genuss dabei erlebten.

Es erwies sich auch wieder der Reiz der kleinen Besetzung, von der man erwartet, dass zwei Aspekte des Musizierens, instrumentale Virtuosität und ausdrucksvolle Kantabilität, auf gerade dazu prädestinierte Instrumente verteilt bzw. auch effektvoll vertauscht sind. Aber auch die hier in besonderem Maße mögliche kammermusikalische Transparenz, die den Klangcharakter der Instrumente und der für sie komponierten Musik deutlich macht, ist hier bestens zu verwirklichen.

Die g-moll-Sonate Debussys (1916-17) in persönlich schwerer Zeit komponiert, sollte eine ältere französische Musiksprache von Transparenz und Klarheit gegenüber der "überfüllten" romantischen, insbesondere deutschen, wieder beleben. Die Aufgabe, die instrumenttypischen Kompositionslinien Debussys klar und wohllautend auszuführen, erfüllten die beiden Interpreten wie mühelos. Im Mittelsatz "Intermède", der stellenweise wie eine klavierbegleitete Violinkadenz wirkt, konnte Alex Jussow gleich seine Violinkunst zeigen, etwa mit furios herabstürzenden Violinläufen. Das Finale mit seinem ausgelassenen Tanzthema ließen Pianist und Geiger elegant dahinwirbeln, ohne dass man der damit verbundenen hohen technischen Anforderung gewahr geworden wäre.

Mit Ravels Violin-Klavier-Sonate, seinem letzten Kammermusikwerk, erklang dann ein Werk, welches das Präzise, Artifizielle und technisch Perfekte eher noch höher hält. Da Ravel Tasten- und Streich-instrument für klanglich unvereinbar erschienen und Klangmischung eher als "musikalische Sauce" (Cocteau) empfand, betont er die Eigenart der musikalischen Sprache der beiden Instrumente, woraus die beiden Instrumentalisten faszinierende tonale Wirkungen zu ziehen wussten. Der erste Satz mit Lyrismen, aber auch eckiger Thematik war der Moment des versierten Pianisten. Wie zu erwarten, sprach der Blues-Satz, eine der Jazz-Adaptionen Ravels, das Publikum besonders an. Der Geiger konnte den afro-amerikanischen Sound mit off-beat und gefühlvollem glissando und den melancholischen, scheinbar improvisierenden Charakter des Satzes gekonnt ausdrücken. Von der dezenten Empfindsamkeit des Blues ging es zum brillanten letzten Satz, einem wahrhaften "perpetuum mobile": technische Schwerstarbeit also für den Geiger und Pianisten, aber auch stupende, mühelos Bewältigung durch das Jussow-Duo. Es gibt eine elementare Freude an virtuosem und dann wohl kein besseres Objekt dieser Begehrlichkeit als die folgende bravouröse Zigeuner-Rhapsodie ("Tzigane") Ravels. Sie begann solistisch nach dem Csárdás-Schema mit langsamer Violindeklamation, die Alex Jussow - nunmehr auswendig spielend - mit eindrucksvollem, kantablem Pathos ausführte, um dann im zweiten raschen Teil alle Raffinessen des Geigenspiels einzusetzen wie Zupfen mit der linken Hand in schnellem Wechsel mit Bogenspiel, Wiederholungen der Zigeunerweisen in pfeiftonartigem Flageolett, dasselbe auch mit Doppelgriffen. Ständiger Tempowechsel ergab einen aufregenden Rhythmus, bis das geigerische Feuerwerk à la Paganini nach einer knappen Viertelstunde rasant beschleunigt endete und begeisterten Beifall folgen ließ.

Prokofjews nach der Pause gespielte Sonate (op. 94a), sein beliebtestes Kammermusikwerk, zeigte, dass ein fein melodiöses Spiel von den Künstlern genauso gepflegt wurde wie der perfekt konzertante und viel Musizierfreude ausstrahlende Vortrag. Von herrlich kantablem Spiel zeugte dabei besonders das Andante mit seiner ausladenden Violinmelodie. Elegant wirkte das "Scherzo" (Presto), und das Finale beschwor die Atmosphäre eines rauschenden russischen Festes herauf.

Aber nicht nur ein Spiel à la Paganini wie in "Tzigane", sondern auch das ebenso kantable wie virtuose des Pablo Sarasate war an diesem Abend in Eberbach zu hören, nämlich in dessen Carmen-Fantasie (op. 25) nach Opernmelodien Bizets, d. h. elf Minuten technische Bravour - verbunden mit Wohlklang.

Das Publikum war voll begeisterten Beifalls, sogar in "standing ovation", das wohl zum ersten Mal bei einem Kunstfreundekonzert. Die Künstler bedankten sich noch mit zwei Duoarrangements aus Gershwins "Porgy and Bess": "It ain’t necessarily so" und "There’s a boat that’s soon leavin’ for New York".

03.05.10

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