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Autumno Barocco mit Tempesta di musica


(Foto: privat)

(bro) (hqu) Mit einem Orchester auf hoch professionellem Niveau wurden die Besucher der Ersheimer Kapelle am vergangenen Sonntagabend in die Welt der Kunst sowie in eine ganz andere Zeit entführt. Denn das Orchester von Felicitas Laxa spielt nicht nur barocke Musik, sondern hat sich der Aufführungspraxis dieser Zeit verschrieben. Das bedeutet, dass Phrasierungen anders als heute üblich vorgenommen werden, die Töne der Streichinstrumente - so wie es im 17. und im frühen 18. Jahrhundert eben war – ohne Vibrato erklingen, und dass diese in der Bauart den damaligen viel näher sind. So sind die Bögen der Streichinstrumente mit weniger Pferdehaar versehen, die Bogenstangen sind konvex statt konkav geformt, ihre Griffbretter sind weniger gewölbt und die Instrumente selbst oftmals mit Tier- oder Kunstdarm statt mit Metall besaitet.

Schon in der dreiteiligen Ouvertüre von G. F. Händel (1685-1759) zu „Solomon“ waren die vielfältigen Klangfacetten barocker Musik zu hören. Gleich im Mittelteil jagte das Thema Händels gefälliger Fugenkomposition von links nach rechts im Quintabstand durch die Streichinstrumente.

Wer im Vorfeld noch über eine Umbesetzung spekuliert hatte, wurde bei der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Fördervereins Klosterkirche, Roland Ziegler, darüber informiert, dass es sich um dieselben zehn Musiker handelt wie früher beim Orchester „El Quadro“, welches bereits viermal in der Ersheimer Kapelle aufgetreten war. Bereits beim zweiten Stück, Händels „Ankunft der Königin von Saba“, was sich heute gerne Bräute zum Einzug in die Kirche wünschen, dürfte jedem Zuhörer klar geworden sein, dass die Umbenennung in „Tempesta di musica“ (Sturm der Musik) sehr treffend ist. Da das Orchester vor etlichen Jahren aus einem Orchester der Musikschule Mannheim (in den Quadraten – daher der alte Name „El Quadro“) hervorgegangen war, war eine Umbenennung nun an der Zeit.

Der folgende Block war dem Komponisten G. Ph. Telemann (1681-1767) mit gleich drei Werken gewidmet, nämlich der Sinfonia in F-Dur, der viersätzigen Ouvertüre zur Oper „Sieg der Schönheit“ und schließlich ein Concerto in C-Dur aus der Oper „Damon“. Noch stürmischer spielte das Ensemble im Vivace der Overtüre und des Concertos.

Mit höchst präzisem Zusammenspiel, gut durchdachter Artikulation, klar herausgearbeiteten Stimmen, mitreißenden Tempi und - eben wieder für die Zeit typischer - Terrassendynamik, also auch manchmal überraschender, aber immer schlüssiger Abwechslung zwischen Forte und Piano wurde das Publikum begeistert.

Vor der Pause stimmte das Orchester kurz seine Streichinstrumente nach, dann folgte eine großartige Interpretation des Solokonzerts für Violine und Orchester E-Dur BWV 1042 von J. S. Bach (1685-1750) mit Felicitas Laxa als Solistin. Bereits im Allegro wurde deutlich, welchen Einfluss die italienische Musik auf Bach seit seiner Weimarer Zeit hatte. Allerdings „verwischt [Bach] die Vivaldische Klarheit durch dichtes kontrapunktisches Gewebe, Motivimitationen, Ritornellaufteilung usw. [und] vertieft den musikalischen Gehalt: seine Musik wirkt weniger hell und spritzig als die italienische, eher einfallsreich, phantastisch, erregend“ (U. Michels, dtv-Atlas zur Musik, München 1985)

Im Adagio wurde das Publikum durch unerwartete Abschnitte in Minimalbesetzung oder im Unisono bisweilen überrascht. Im Schlusssatz „Allegro assai“, einem Kettenrondo, in dem sich ein stets gleichbleibender Teil (Ritornell) regelmäßig mit anderen, stets neuen Teilen (Couplets) abwechselt, lief Felicitas Laxa direkt vor der Konzertpause dann zu virtuoser Höchstform auf.

Nach einem kleinen Imbiss und einer Verköstigung mit Hirschhorner Klosterwein lernten wohl annähernd alle Besucher des Konzerts (hier im Sinn: Veranstaltung, auf der Musik gespielt wird) den Barock-Komponisten E. F. Dall’Abaco (1675-1742) erstmalig kennen. Mit drei seiner jeweils dreisätzigen „Concerti all’unisono“ op. 2 knüpfte er an die barocke Tradition des Konzertierens (hier im Sinn: musikalisches Wetteifern) an und folgte den Gepflogenheiten seiner Epoche auf einem kompositorischen Niveau, welches verwundert, dass dieser Musiker sonst kaum bekannt ist. Von daher können wir dem Ensemble nur danken, dass es alle mit diesem verborgenen Schatz vertraut gemacht hat, dessen Urheber gerade einmal zehn Jahre vor Bach gelebt hat, aber musikalisch ganz in Bachs Zeit verhaftet war. Es erklangen die Nr. 6 in D-Dur, die Nr. 8 in h-Moll und die Nr. 10 in A-Dur.

Am Ende des Konzerts gab das Orchester noch einmal Altmeister Bach zum Besten, nur mit einer ganz anderen Gattung. Bei der jetzt aufgeführten Suite in D-Dur BWV 1068 sangen spätestens im zweiten Satz, der berühmten Air auf der G-Saite alle Herzen der Besucher innerlich mit, und nur dem aufmerksamen Zuhörer fiel auf, dass lange ausgehaltene Töne entgegen der Gewohnheit ganz ohne Vibrato, aber keineswegs minder liebevoll erklangen. Und im Schlusssatz, der Gigue war er wieder da, der Sturm in der Musik, der uns im Verlauf des Abends durch alle schnellen Sätze begleitet hat: schwungvoll, emotionsgeladen, exakt, feurig. Und so bleibt zu hoffen, dass dieser Sturm, der von diesem Orchester ausgeht, unter dem neuen Namen noch viele Menschen erreichen und in seinen Bann ziehen wird, und auch, dass wir in Ersheim noch viele Konzerte dieses Barockorchesers „Tempesta di musica“ erleben können.

Obwohl das Orchester nach der Zugabe die Kirche verließ, spielte es zum Abschluss noch einmal die „Ankunft der Königin von Saba“. Ob darin eine verschlüsselte Botschaft steckt, bleibt offen. Aber nach Standing Ovations und synchronem Applaus sprach Roland Ziegler gleich eine Einladung für das nächste Jahr aus, denn man hofft nun auf die Ankunft der Musiker im Herbst 2019.

05.10.18

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